Kaffee: Kult und Etikette. Von Bogotá ins Eje Cafetero – 1. Teil: Das koloniale Salento und die Wachspalmen im Valle de Cocora

Dieser Blog wurde exklusiv für avenTOURa geschrieben und auch zuerst auf deren Webseite veröffentlicht.

Ein Land zu besuchen, ohne seine Spezialitäten zu kosten, ist eine Sünde, und zu Kolumbien gehört Kaffee wie Bier zu Deutschland. Überall und zu jeder Zeit bekommt man in Kolumbien einen „Tinto“, einen meist ultrasüßen Kaffeeshot. Fliegende Händler verkaufen die dunkle Brühe auf den Straßen der kolumbianischen Metropolen so heiß, dass die winzigen Plastikbecher zu schmelzen drohen. Leider ist nicht jeder Tinto im Land des Kaffees aus kolumbianischer Bohne gemacht.

Das hat seinen Grund in der hohen Nachfrage vor allem aus Europa und Nordamerika. Der beste kolumbianische Kaffee geht in den Export. Auf diese Weise hat sich Kolumbien, nach Brasilien und Vietnam Platz drei der Kaffeeexportweltmeister erobert. 2012 gab es einen empörten Aufschrei in der Bevölkerung, als bekannt wurde, dass über 90 Prozent des in Kolumbien konsumierten Kaffees aus den Nachbarländern Brasilien, Ecuador und Peru und teilweise sogar aus Übersee, aus Vietnam und Indonesien, stammte. Nach Erdöl und Kohle stand lange Zeit Kaffee als größter Devisenbringer in den Wirtschaftsstatistiken des Landes, doch hat ihn der Tourismus zuletzt überholt.

Diese beiden Wirtschaftszweige sind einerseits statistische Konkurrenten, andererseits arbeiten sie mehr und mehr zusammen. Hipster-Cafés schießen wie Graffiti-Pilze aus dem urbanen Boden und zeigen die mannigfachen Zubereitungsmöglichkeiten der braunen Bohnen.

(Insider-Tipp: In der Altstadt Bogotás, der La Candelaria, sind drei Cafés unbedingt empfehlenswert: Café Cultor versteckt sich in der Biblioteca Luis Ángel Arango. Die Baristas erklären einem immer gerne die Vielfalt und Zubereitung ihres Kaffees; Café Unión, ein paar Straßen weiter hinauf, steht ebenfalls in der Tradition aus dem Kaffeetrinken ein Event zu machen; Auf dem Markt der Concordia gleich neben dem Chorro de Quevedo lässt sich bei Quipile ebenso ein wunderbarer, gleich vor Ort gerösteter Kaffee trinken)

Die coffee tour muss jeder Tourist einmal mitgemacht haben, wenn er die grünen Andenhänge zwischen Pazifik und Karibik besucht. Und wo ließe sich das besser als im Kaffee-Dreieck. Das Triángulo del Café oder besser Eje Cafetero („Kaffee-Achse“), formt sich aus den Regionen Caldas, Risaralda und Quindío, dehnt sich aber auch auf die angrenzenden Regionen aus. Eine Fahrt von Bogotá aus dauert im Reisebaus gute sieben Stunden, wenn es denn die Straßen zulassen. Doch nehmen die meisten das Flugzeug oder machen Station in Honda (einen Ort den man als das Cartagena des Magdalena bezeichnen könnte, gäbe es da nicht noch das verwunschene Mompox, das ihm den Titel streitig macht, doch dazu bald mehr in einem anderen Blog).

Mit dem Flugzeug landet man in einer knappen Stunde in Manizales, Armenia oder Pereira. Und von einer dieser Regionalhauptstädte kann man leicht zu einer Finca – einem bewirtschafteten Landgut – hinaus, um die Kaffeekultur Kolumbiens zu erkunden. Es gibt ein Überangebot an Touren und auch an Übernachtungen fehlt es nicht in dieser Region, die den Tourismus schon vor Jahrzehnten für sich entdeckt hat. Und was gibt es schöneres als morgens von Kaffeegeruch geweckt zu werden, durch die Pflanzungen mit den roten Bohnen zu wandeln und die hügelige Landschaft zu bestaunen.

Hauptplatz von Salento ©Stephan Kroener kolumbienverstehen
Der Dorfplatz von Salento ©Stephan Kroener

Mein Weg führte mich von Bogotá per Flugzeug nach Pereira dann weiter per Kleinbus nach Salento. Das Dorf, das sich in den letzten Jahren zu einem Muss für Kolumbien-Reisende entwickelt hat, ist nicht nur für seinen Kaffee, sondern vor allem für das angrenzende Tal, dem Valle de Cocora, mit seinen Wachspalmen berühmt. Dieser kolumbianische Nationalbaum wird bis zu 60 Meter hoch und ist damit „Palmen-Rekordhalter“.

Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei etwa 18°C. Da die Wege zwar befestigt, aber durch den fortwährenden Touristenansturm vor allem in den Regenmonaten aufgeweicht sein können, werden die Wochen zwischen Dezember und Februar sowie Juli und August zur Wanderung empfohlen. Das Tal gehört zum Naturpark Los Nevados, das schon durch seinen Namen, „die Schneebedeckten“, die Höhenunterschiede andeutet.

Brücke im Valle de Cocora ©Stephan Kroener kolumbienverstehen
Vom Baumstamm bis… ©Stephan Kroener

Die Wanderung selbst beginnt in etwa bei 1800 ü.d.M. und steigt dann bis auf 2400 ü.d.M. an. Gutes Schuhwerk und Regenkleidung sollte man dabeihaben. Auch Verpflegung und Wasser ist wichtig, da es bis zum ersten Rastplatz lange dauern kann.

Wanderwege im Valle del Cocora ©Stephan Kroener kolumbienverstehen
Mindestens drei Wege führen nach Rom… und zurück nach Salento ©Stephan Kroener

Die gesamte Strecke ist etwa zwölf Kilometer lang und dauert je nach Ausdauer, vier bis sechs Stunden. Dabei geht es immer wieder über kleine Flüsse, die durch unterschiedlichste Brückenbautechniken überspannt werden, vom einfachen Baumstamm über Hängebrücken bis zur Eisen- und Betonkonstruktion.

Hängebrücke im Valle de Cocora ©Stephan Kroener kolumbienverstehen
…zur Betonkonstruktion ©Stephan Kroener

Auf der Hälfte der Strecke findet sich das kleine Ausflugslokal Acaime, dass Teil eines Kolibri-Reservats ist. Dort bekommt man nach anstrengendem Aufstieg eines der gefühlt besten Essen der Welt: Selbstgemachte arepas (Maisfladen), Käse und chorizos (geräucherte Würste), außerdem Suppe und Kakao, alles aus hauseigener Produktion. Das Fotografieren der sekundenschnellen Kolibris gehört zu einer der touristischen To do’s.

Kolibri in Acaime ©Stephan Kroener kolumbienverstehen
Kolibri-Foto, check! ©Stephan Kroener

Da es zwei Wege nach oben gibt, stößt man entweder am Anfang oder beim Abstieg auf die Palmenriesen, die sich je nach Wetterlage aus dem sie umgebenden Nebel stürzen. Wie Spitzen scheinen sie die Wolkendecke zu durchstoßen und den nahen Berggipfeln Konkurrenz zu machen. Ihr Bild gehört zu den eindrucksvollsten im kolumbianischen Fotoalbum.

Ausblick im Valle de Cocora ©Stephan Kroener kolumbienverstehen
Wachspalmen im Nebel ©Stephan Kroener

Zurück in Salento kann man sich mit Souvenirs eindecken. Das Dorf scheint vollkommen auf den Tourismus eingestellt, leider geht dadurch ein wenig seine Authentizität verloren. Trotzdem sollte man Salento nicht ausweichen. Es ist ein wundervoller jumping-off-point, um das Kaffeedreieck zu erkunden, sich in seine einzigartige, farbenfrohe dörfliche Kolonialarchitektur zu verlieben und sich in seinem frischen Kaffeedampf zu verlieren. Außerdem ist es das Einfallstor zu den schneebedeckten Bergen der Nevados (max. 5121 ü.d.M.), die sich für Kälte- und Bergaffine von hier mit einheimischen erfahrenen Führern leicht besteigen lassen.

Doch uns zog es weiter zum nächsten Tinto und damit auf eine nahegelegene Finca… doch dazu mehr im nächsten Blog. 

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2 Gedanken zu “Kaffee: Kult und Etikette. Von Bogotá ins Eje Cafetero – 1. Teil: Das koloniale Salento und die Wachspalmen im Valle de Cocora

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