Eine geballte Kraft Frieden für die Heimat des Magischen Realismus

16th-world-summit-of-nobel-peace-laureates-bogota-117
Präsident Santos spricht zu seiner Nobelpreisfamilie             ©Stephan Kroener 

Eine geballte Kraft Frieden vereinte sich die vergangene Woche in Bogotá. 31 FriedensnobelpreisträgerInnen, darunter 14 direkte und 17 RepräsentantInnen von Organisationen versammelten sich zum 16. World Summit of Nobel Peace Laureates (Gipfeltreffen der Friedensnobelpreisträger), um mit AktivistInnen, NGOs, AkademikerInnen und FührerInnen der Zivilgesellschaft über Wege zum Frieden zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen.

Zum ersten Mal seit ihrer Gründung 1999 trafen sie sich dafür auf lateinamerikanischem Boden und erstmals in einem Land, das sich zurzeit in der Umsetzung eines Friedensvertrages befindet. Die Wahl für Kolumbien als Austragungsort kam nicht von ungefähr. Das neue Mitglied in der Nobelpreisfamilie, Präsident Juan-Manuel Santos, der erst im vergangenen Dezember den Preis entgegengenommen hatte, beschrieb sein Land als: „Die Heimat des Magischen Realismus  und heute zum Glück Heimat des Friedens“.

Die beste Nachricht für Frieden

In der gemeinsamen Abschlusserklärung am vergangenen Samstag bekräftigten die unterzeichnenden Honoratioren, dass „die Beendigung des kolumbianischen Konfliktes seit langem die beste Nachricht für Frieden auf dem Planeten gewesen sei“. Deswegen rief die Nobelpreisgarde die internationale Gemeinschaft auf, die Implementierung des kolumbianischen Friedensabkommens tatkräftig zu unterstützen.

Die Nobelpreisträgerin Jody Williams, die den Text verlesen hatte, meinte am Rande der dreitägigen Konferenz, dass Kolumbien der einzige Lichtpunkt in diesem Teil der Welt sei. Sie spielte dabei nicht nur auf die dramatischen Auswüchse der Trump-Administration an, sondern auch auf die sich verschlimmernde Situation in Mexiko, Venezuela und in mehreren Staaten Zentralamerikas.

Jody bekam den Nobelpreis 1997 für ihre Arbeit gegen den Einsatz von Landminen und ihr Engagement für den Vertrag von Ottawa zum Verbot von Antipersonenminen. Sie dermaßen optimistisch in einem Land sprechen zu hören, dass nach Afghanistan am heftigsten von dieser verheerenden Waffe betroffen ist, die vor allem die Zivilbevölkerung bedroht, lässt hoffen, dass diese unsägliche Art der Kriegsführung bald der Vergangenheit angehört. Auch wenn 36 Staaten, darunter Russland, Israel und die USA – Jodys Heimat – weiterhin sich weigern den Vertrag von Ottawa zu unterzeichnen.

16th-world-summit-of-nobel-peace-laureates-bogota-028
Rigoberta neben Leyner Palacios und weiteren Teilnehmern ©Stephan Kroener

Rigoberta Menchú

Zusammen mit Jody befand sich eine weitere (latein-)amerikanische Friedensnobelpreisträgerin auf dem Podium: Rigoberta Menchú. Ich hatte die Guatemaltekin schon einmal zufällig in den heißen Straßen von Barrancabermeja getroffen und ihre Ausstrahlung und ungezwungene Art bewundert. Als pbi-Freiwillige schloss sie uns damals sofort in die Arme. Nach über 20 Jahren hatte sie die Begleitung und Arbeit von pbi nicht vergessen.

Noch bevor sie 1992 den Friedensnobelpreis für ihre Bemühungen für soziale Gerechtigkeit, die ethnokulturelle Aussöhnung und die indigenen Rechte in dem zentralamerikanischen Land erhalten sollte, wurde sie von internationalen pbi-Freiwilligen begleitet. Einer von ihnen war Patty Motchnick: “The actual physical protection I offered her was absurd, and to myself in that moment laughable. I was absolutely vulnerable, and so were they“.

Unsichtbare Netz-(werke)

Doch gerade darauf beruht die Strategie von pbi. Unbewaffnete internationale Freiwillige begleiten bedrohte MenschenrechtsverteidigerInnen in Konfliktregionen, um ihnen so ihre Arbeit zu ermöglichen. Der Schutz besteht in dem unsichtbaren Netz-(werk) aus den jeweiligen Botschaften, der UNO und vielen weiteren nichtstaatlichen Organisationen im Land sowie einem weiteren internationalen Kontaktnetz beispielsweise zu EU-ParlamentarierInnen und US-KongressabgeordnetInnen. Die Freiwilligen bei der direkten Begleitung bilden die physische Anwesenheit der internationalen Öffentlichkeit, der sich ein jeder Staat gezwungenermaßen verpflichtet fühlen muss.

Auch aufgrund dieser Begleitung konnte Rigoberta aus ihrem Exil in Mexiko zurückkehren – in das sie sich Anfang der 1980er Jahre infolge der Repression in ihrer von einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg betroffenen Heimat geflüchtet hatte. Mit ihrer bunten, mit indigenen Ornamenten verzierten Kleidung fiel sie am Samstag aus der sonstigen schwarz-weißen und vorwiegend männlichen Anzugsgarde heraus.

16th-world-summit-of-nobel-peace-laureates-bogota-062
Christoph Harnisch, Jody Williams und Rigoberta Menchú ©Stephan Kroener

Der Optimismus überwiegt

Ebenso wie bei Jody überwiegt auch bei ihr der Optimismus für den Friedensprozess in Kolumbien, auch wenn sie in der anschließenden Pressekonferenz anmerkte, dass er alleine noch keinen Frieden bedeute. Mit Blick auf ihre Heimat Guatemala, dass Ende vergangenen Jahres den 20 Jahrestag der Unterzeichnung des Friedensvertrages feierte und trotzdem weiterhin in unruhigen Zeiten steht, bekommen diese Worte Gewicht.

Der Schweizer Christoph Harnisch, Chef der Delegation vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz in Kolumbien, stimmte ihr dabei zu und betonte die großen Herausforderungen für die kolumbianische Zivilgesellschaft, die nun diesen Frieden füllen muss. Für Kolumbien steht ein schwieriges Jahr an, das schon jetzt tragisch mit vielen Morden an MenschenrechtsverteidigerInnen beginnt.

Umwelt- und LandrechtsaktivistInnen im Fokus

Eine Gruppe erscheint dabei besonders im Fokus der Bedrohung: Umwelt- und LandrechtsaktivistInnen. Im Abschlussdokument der Friedensnobelpreiskonferenz werden der Klimawandel und die Verschlechterung der Umweltbedingungen als die zwei größten Bedrohungen für die Menschheit betrachtet. Außerdem wurden die Implementierung des Pariser Klimaabkommens und die weltweite Abschaffung von Atomwaffen gefordert.

Rigoberta betonte: „Mir hat man den Nobelpreis verliehen, um die Stille zu durchbrechen. Das ist das, was ich seit 25 Jahren mache, aber das Landproblem konnten wir bis jetzt nicht lösen und es wird eines der drängendsten Probleme in den nächsten Jahren bleiben.“

16th-world-summit-of-nobel-peace-laureates-bogota-001
Rigoberta auf dem Podium ©Stephan Kroener

El discurso de Rigoberta en la conferencia: “Es una bendición que estamos todos vivos y que podamos dedicar nuestras vidas a todo lo que signifique la harmonía entre nuestros pueblos en los próximos anos. Un acuerdo de paz es muy importante pero otra cosa es la construcción de paz. La paz no debe ser jamás sinónimo de guerra, sino debe ser principios de educación con valores y el valor más importante es el respeto mutuo.

Si cada uno de nosotros nos respetamos mutuamente estaríamos diciendo NO a  la xenofóbica, NO a la homofóbica, NO al racismo, NO a la discriminación, NO a las exclusiones y NO a las violencias. Si nosotros tenemos una conducta incluyente, seguramente nuestras vidas son un ejemplo y un legado para nuestras generaciones, pero si no, somos un actor de conflicto y de desequilibrio. Está en nuestras manos elegir la forma que queremos vivir en la sociedad universal. Si yo quiero ser una persona integro, tengo que partir de mí mismo, tengo que dar ejemplo, tengo que hacer un liderazgo de acuerdo a lo que creo. (…)

La familia de nobeles debe ser una voz contundente para defender la dignidad de todos los humanos y de todos los vivos de este planeta. Yo venía acá para decirles que cuenten con esta voz, con esta energía que es de mis ancestros mayas y cuentan con la voz de las victimas porque yo también he llorado, yo he visto un hermano desaparecido, yo he visto un padre quemado vivo, yo he visto una madre torturada, he visto un montón de gente que dejo su casa, su pueblo y sus sueños por una guerra, pero eso no es lo que me hace grande, me hace grande porque tengo una agenda y esta agenda es lo que defino junto con ustedes.”

16th-world-summit-of-nobel-peace-laureates-bogota-052

Videobeiträge der Podiumsdiskussion: Sesión 9. Paz y diálogo Nacional: Unidad en una sinfonía de voces

Advertisements

Ein Gedanke zu “Eine geballte Kraft Frieden für die Heimat des Magischen Realismus

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s