„Yo amo a Trump“: Das Verhältnis Kolumbien und USA nach den Wahlen

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„Yo amo a Trump“ mit diesen Worten erklärte eine Kolumbianerin noch Ende August ihre bedingungslose Liebe zum damaligen Präsidentschaftskandidaten und nächsten US-Präsidenten Donald Trump. Diese Liebe beruht sehr wahrscheinlich nicht auf Gegenseitigkeit, denn der neue US-Präsident hat mit dem was er von Latinos hält nie hinterm Berg gehalten.

Eine Mauer wird er bauen, 1000 Meilen lang, zwischen Mexiko und den USA, Ulbricht würde sich freuen, und die Nachbarn sollen dafür auch noch zahlen. Man stelle sich vor die Bundesrepublik hätte für den antifaschistischen Schutzwall zahlen dürfen. Aber für Trump ist alles möglich. Für ihn heißt alles südlich des Rio Grande Mexiko und alle Latinos sind potenzielle illegale Einwanderer, Vergewaltiger und Kriminelle.

Man kann davon ausgehen, dass Trump zwischen Kolumbianern und Mexikanern keinen großen Unterschied macht. Trump vereinfacht die Welt in seinen Äußerungen, ähnlich wie es vor Jahren Bush Junior getan hat. Warum also unterscheiden zwischen Latinos, die sprechen doch alle die gleiche Sprache und essen Tacos.

Mauerbau zu Texas

Die Mauer, die Trump bauen will, wird auch Kolumbien ausschließen. Denn es sind natürlich nicht nur Mexikaner, die ihr Glück in den USA suchen, sondern größtenteils Emigranten aus Mittelamerika und auch Kolumbien. Der Mauerbau zu Texas hat aber vielmehr eine symbolische Bedeutung. Er soll die Grenze betonen, die zwischen wir und ihr, zwischen Gut und Böse.

Keine Grenze und keine Mauer kann Menschen aufhalten, die vor Repression und Verfolgung flüchten. Das erlebte die DDR und das erleben wir erneut in Europa. Die Drogen werden auch so ihren Weg zu den Konsumenten in LA und NY finden. Genauso wie die US-Waffen auch weiterhin die Konflikte in Mittelamerika anheizen werden, vor denen die Menschen dann wiederum in den Norden fliehen. Das ist ein einfaches Schema ala Trump, vielleicht zu einfach für ihn.

Trump und Kolumbien

Der US-Historiker Stephen Rabe erklärte bei einem Kolloquium an der Universidad Nacional in Bogotá, dass „Trump wahrscheinlich nicht mal Kolumbien auf der Weltkarte finden würde“. Und hier liegt das Problem. Trump hat keine Ahnung von Lateinamerika, geschweige denn von Kolumbien. Und noch schlimmer, es ist ihm auch egal. Lateinamerika wird abgesehen von der Mauer- und Abschottungspolitik sehr wahrscheinlich keine große Rolle in der außenpolitischen Agenda Trumps spielen.

Trotzdem kann man wohl davon ausgehen, dass die Entspannungspolitik mit Kuba fallen wird und sich Venezuela schon mal warm anziehen kann. Kolumbien war immer schon der eifrigste Verbündete der USA in der Region und vielleicht mit Panama und Costa Rica zusammen, die dauerhafteste strategische Machtbasis der Vereinigten Staaten in Lateinamerika. Zwei bilaterale Verträge kennzeichnen diese politische Partnerschaft: Einerseits das Militärbündnis Plan Colombia, mit dem der Drogenhandel bekämpft werden sollte, und andererseits das Freihandelsabkommen (TLC) über das beide Staaten wirtschaftlich verknüpft sind.

Plan Colombia und TLC

Die USA hat Milliarden Dollar in den Plan Colombia gesteckt, ohne den internationale Drogenhandel merklich zu besiegen. Die Anbaufläche für Koka ist mehr oder weniger konstant geblieben oder hat sich über die Grenzen hinweg nach Peru und Bolivien verschoben. Genauso wie sich die Kartelle von Medellín und Cali nun nach Mexiko verlagert haben. Auch der Drogenkonsum in den USA hat nicht abgenommen und solange es eine Nachfrage gibt, wird es auch immer jemanden geben, der diese für Geld befriedigt.

Der TLC ist seit einigen Jahren in Kraft, hat aber noch nicht seine vollständige Wirkung ausgefüllt, da im Vertragswerk verabredete wurde, dass die Märkte sich erst langsam annähern und sich dann schrittweise öffnen sollten. Für die USA ist dieser Teil eines weitreichenderen Prinzips die Märkte des Südens an sich zu ziehen und zu binden. Trump hat bereits im Wahlkampf verkündet, dieses System zu revidieren und seine Nützlichkeit für die USA zu überprüfen.

Trump und der Friedensprozess

Es wäre verwegen darüber zu spekulieren, was und ob Trump diese beiden Verträge zu überarbeiten oder zu beenden gedenkt. Weit wichtiger wird seine Position in Bezug auf den Friedensprozess der Regierung Santos mit den FARC sein. Obama hatte bereits angekündigt eine finanzielle Hilfe für den Postkonflikt im Land zur Verfügung zu stellen, einen sogenannte Plan Paz Colombia, der die Militärhilfe in eine wirtschaftliche Unterstützung einbinden soll.

Mit dem Republikaner Trump wird das sicher nichts. Mehrere Analysten gehen eher davon aus, dass Trump eine harte Hand führen wird gegen die Terroristen und damit wohl auch gegen den die nationale Sicherheit der USA bedrohenden Drogenhandel. Die Republikaner sind traditionell gut vernetzt mit der National Rifle Assassination – pardon, Association –, deswegen wird sich da sicherlich auch ein gutes Geschäft machen lassen.

Uribes neue Liebe

Da der Friedensvertrag sich nach dem „No“ der Kolumbianer beim Plebiszit am vergangenen 02. Oktober in einer unsicheren Phase befindet, könnte der Rückzug der USA oder eine harte US-Hand einen desaströsen politischen Effekt haben. Der Wortführer des „No“-Lagers, Expräsident Uribe, schrieb denn auch schon im September in einem öffentlichen Brief an beide Präsidentschaftskandidaten von der Angst, dass Kolumbien ein zweites Venezuela werden könnte.

In besagtem Brief beschreibt Uribe  die Guerilla als „Narcoterroristen“,  „größtes Kokainkartell der Welt“ und „drittgrößte Terrororganisation der Erde“. Ein Diskurs der sicherlich auch in den Wortlaut Trumps passen würde und dem er Gehör schenken könnte. Weiter fordert Uribe in dem Brief ein Ende des schlechten Beispiels des Friedensabkommens von Havanna.

Kurz nach der Verkündigung des vorläufigen Endergebnisses, beglückwünschte Uribe per Twitter Trump zu seinem Sieg mit den Worten: „Herzlichen Glückwunsch Präsident; der Narcoterrorismus und die Tyrannei in Venezuela sind die größten Feinde unserer Demokratie“.  Einige kolumbianische Zeitungen erklärten so auch Trump zum Gringo ala Uribe.

Beide sind gefährlich

Das beide ihren Wahlkampf auf Lügen aufbauten, das Land teilten und Ängste schürten, scheint soweit die einzige Ähnlichkeit zu sein: Uribe ist ein bürokratischer Schreibtischtäter, Trump ein grobschlächtiger Rabauke. Beide sind auf ihre Art gefährlich. Man kann nur hoffen, dass Trump gute und ausgewogene Berater um sich versammeln wird.

Es gibt demnach zwei Theorien wie sich Trump gegenüber Kolumbien verhalten wird. Er könnte sich auf den Mauerbau zu Mexiko konzentrieren und die legale wie illegale Einwanderung von Latinos in die USA erschweren. Lateinamerika würde in dieser Richtung dann auch vom außenpolitischen Radar der USA verschwinden und für Trump nicht mehr wichtig erscheinen.

Damit würde Kolumbien zweitrangigen Beratern überlassen, die sehr wahrscheinlich der bisherigen Linie der Republikanischen Partei folgen und die den treuen Verbündeten Kolumbien mit – möglicherweise einer geringeren – Militär- und Wirtschaftshilfe unterstützen würden.

Uribe als Partner

Es könnte sich aber auch anders verhalten. Trump könnte sich Uribe als Partner heranziehen und Kolumbien erneut zu einem starken anti-„kommunistischen“ oder in dem Diskurs von Uribe anti-castrochavistischen Stützpunkt ausbauen. Ähnlich wie Bush Junior würde er dann Kolumbien in den internationalen Kampf gegen „was auch immer“ einbinden.

Wie die Botschaft auf spanglisch der Kolumbianerin und Trump-Wählerin werden wir wohl diese Tage noch öfter „I love Trump“ von Uribes Centro Democrático hören. Hoffen wir, dass Trump diese nicht direkt als Partnerschaftsangebot annimmt und sich vor einer Eheschließung von seinen Beratern erklären lässt wo Kolumbien eigentlich liegt.

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